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Götz Spielmann dreht Film in Annaberg

19.11.2012, noe.orf.at

Der Regisseur Götz Spielmann (REVANCHE) arbeitet intensiv an seinem neuen Kinofilm: Für OKTOBER NOVEMBER dreht er in Annaberg ein Familiendrama, es spielen Ursula Strauss, Nora von Waldstätten, Peter Simonischek und Sebastian Koch.

Götz Spielmann rückt in „Oktober November“ zwei Schwestern in den Mittelpunkt, die einem Gasthof in den Alpen entstammen, der schon längst nicht mehr rentabel zu führen ist. Während die jüngere Sonja (von Waldstätten) mittlerweile als erfolgreiche Schauspielerin in Berlin lebt, hat die ältere Verena (Strauss) den Ort nicht verlassen. Den müde gewordenen Vater (Simonischek) ereilt ein Herzinfarkt, worauf Sonja nach längerem wieder nach Hause fährt. Während der Vater im Angesicht des Todes seinen Frieden gemacht hat, müssen die beiden Schwestern ihre Lebenswelt neu ordnen.

„Es geht hier schon ans Eingemachte“, zollte Strauss der Arbeit ihres Regisseurs Respekt: „Wenn man das Buch in der Hand hat, befindet man sich schon in einer Tiefe, wo man keine zusätzlichen Seiten an der Figur entdecken muss.“ Zugleich schätze sie die große Freiheit ungemein, eine Rolle lange im Vorhinein proben zu können, um sich eine Geschichte gemeinsam zu erarbeiten. „Das kenne ich sonst nur vom Theater“, zeigte sich auch von Waldstätten überrascht von der besonderen Arbeitsweise Spielmanns: „Man darf einfach auch suchen, muss nicht sofort funktionieren.“

Simonischek: „Man fängt fast an zu zittern“
„Man geht da gemeinsam auf die Spur in das Spinnennetz der Verstrickungen und Verwebungen“, pflichtete Simonischek bei. Eigentlich spiele er mit dem Vater eine Figur, in deren Leben für Differenzierungen kein Platz sei - bis die Nahtoderfahrung eine Wende bringe. Und dies kenne er vom Erlebnis eines guten Freundes, dessen Schilderung ihn nie mehr losgelassen habe: „Wenn man dann ein Drehbuch in die Hand bekommt und an die entsprechende Stelle gerät, die so exakt beschrieben ist, fängt man fast an zu zittern.“

Die fundierte, und zugleich tröstliche Auseinandersetzung mit dem Thema war auch für den deutschen Darsteller Sebastian Koch von großer Bedeutung: „Mich beruhigt so etwas sehr - ich wünsche mir, dass nach dem Tod etwas kommt.“ Aber natürlich sei auch Spielmanns Art des Filmemachens für ihn ein Grund gewesen, bei dem Projekt einzusteigen: „Es wird schließlich immer seltener, das Menschen andere Formen des Geschichtenerzählens entwickeln.“

Spielmann: „Wichtig ist das Auslösen von Gefühlen“
Der so Hochgelobte zeigte sich dabei bescheiden. „Ich scheue mich immer, meine Gedanken zu einem Film zu formulieren, weil ich sie für den Film nicht wichtig halte. Viel wichtiger ist, welche Gedanken und Gefühle er bei den Zuschauern auslöst“, betonte Spielmann. Der 51-Jährige war 2009 mit „Revanche“ für den Oscar für den besten nicht-deutschsprachigen Film nominiert.

In jedem Falle sei für sein Projekt das Gasthaus zur Post in Annaberg, unweit von Mariazell, aber weit von urbanen Metropolen, der ideale Schauplatz, nach dem man lange gesucht habe: „Der alte Gasthof ist eigentlich eine Art weiterer Hauptdarsteller.“ Dass er mit diesem einen trendig-zeitgeistigen Film über Landflucht, Wirtschaftskrise und Transzendenz inszeniere, wies Spielmann weit von sich: „Vielleicht kommt eher der Zeitgeist da an, wo ich schon lange bin.“

Bei einem Budget von 2,5 Millionen Euro hat man zunächst eine gute Woche in Berlin gedreht, bevor fünf Wochen Annaberg und Umgebung folgten. Zum Abschluss kommen dann noch einige Tage Wien. „Wenn der Film dann in einem Jahr ins Kino kommt, wäre es schön“, skizzierte Regisseur Götz Spielmann den Zeitplan.


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