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Szenen einer Künstlerehe: Clara und Robert Schumann

2.8.2010, Quelle: welt.de, Text: Peter Kraus

Reithalle zu Wotersen als Hort der Romantik.
Um uns die große romantische Liebe dieses Traumpaars der Musikgeschichte anschaulich vor Augen zu führen, braucht es nicht viel: zwei biedermeierlich anmutende Tischchen nebst Tintenfass, Schreibfeder und Wasserkaraffe, dazu ein Diwan von wohliger Bürgerlichkeit als Requisiten. Dazu zwei Schauspieler von Format, die es vermögen, den empfindungsvollen Worten von Clara und Robert Schumann wieder Leben einzuhauchen und uns eintauchen zu lassen in die Welt dieser idealen Künstlergemeinschaft.

Ach ja, und natürlich ein kleines Ensemble von feinen Musikern, die es schaffen, die Lieder der Schumanns glaubwürdig in den Kontext ihres Lebens zu stellen. All dies gelang am Sonnabend in der Reithalle von Gut Wotersen vortrefflich, wodurch das SHMF einen gewichtigen Beitrag zum tieferen Verstehen des Jubilars leistete, der vor 200 Jahren geboren ward.

Sowohl die Briefe als auch das Ehetagebuch von Clara und Robert, das seine Eintragungen im wöchentlichen Wechsel der Partner erfuhr, sind unerschöpfliche Fundgruben, in denen nicht nur, wie Robert es sich vorstellte, "alle Freuden und Leiden des ehelichen Lebens" zu Protokoll gegeben wurden: Hier lernen wir zudem das zwischen Romantik und Moderne hochspannend changierende Rollenbild jener ersten Künstlerin kennen, die sich als Pianistin nachhaltig durchsetzte, die treue Gattin und Mutter von acht Kindern war und doch verblüffend emanzipierte Frau.

Martina Gedeck im langen Kleid und mit strenger Frisur der Zeit wusste sich wahrhaftig einzufühlen in Claras reiche Gefühlswelten, die sich zu Beginn ihrer Ehe als "glücklichstes Weib auf Erden" bezeichnete. Zumal in solchen Zeilen störte der S-Fehler der Schauspielerin mehr als gelinde. Ihr zur Seite saß Sebastian Koch als schwärmerischer Schumann, der indes mehr den selbstsicheren Tondichter und weniger den Melancholiker mit Minderwertigkeitskomplexen gab, der Robert durchaus gewesen sein muss, verdiente seine als Virtuosin gefeierte Frau mit ein paar Konzertauftritten doch mehr als der junge Komponist in einem ganzen Jahr.

Verschmitzt ironisch baute Koch in den emotional überströmenden Sätzen des jugendlich Verliebten Distanz zur fernen Welt der Romantik auf. Die erstand in den musikalischen Beiträgen dafür ungebrochen, zu Herzen gehend neu: Mit baritonal warmem Wohlklang und vokaler Mitteilsamkeit stattete Paul Armin Edelmann die Lieder nach Rückerts "Liebesfrühling" aus, die Clara und Robert einst im Wechsel komponierten.

Den drei von Clara vertonten Liedern lieh Natalie Karl den soubrettigen Liebreiz ihres Soprans. Wenn der schumannsche Hort häuslichen Glücks immer wieder von Freunden wie Felix Mendelssohn oder Franz Liszt aufgesucht wurde, erklang hier in diesen Szenen einer Ehe stets Musik der Genannten, von Stephan Matthias Lademann am Steinway und Rebekka Hartmann an der Violine mit innig warmem Tonfall angestimmt.


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